Folge 0025 – Die Philosophie des Nichtdenkens

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Elektra hat ein Essay über das menschliche Bewusstsein geschrieben oder das was menschliche Bewusstsein eben nicht ist.

FOLGE 0025 – 03.01.2017

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2 Gedanken zu „Folge 0025 – Die Philosophie des Nichtdenkens

  1. Hallo Ihr beiden: @Elektra: Da Du Dich in der letzten Minute fragst, ob es überhaupt jemanden gibt, der sich den Podcast bis zum Schluss angehört hast: ich habe es gemacht 🙂 .

    1) Ich war sehr erstaunt, dass Du erst vor einem Jahr den Taoismus entdeckt hast. Ich folgere daraus mal, dass Du Dich generell nicht mit Spiritualität/Mystik beschäftigt hast. Eine Erklärung vorneweg: Begriffe wie “Spiritualität” oder “Mystik” sind für mich, der einen sehr streng justierten Bullshitdetektor hat, äußerst problematisch. Dir geht es da wahrscheinlich genauso. Die meisten verbinden damit Dinge wie: Channeling, Wünsche ans Universum, Wiedergeburt, Seele, Götter, Mystifizierung bestimmter Naturerfahrungen (wie von Dir im Podcast erwähnt), u.s.w.. Leider habe ich aber für das, von dem Du redest, noch keinen besseren Begriff gefunden. Den von Dir verwendeten Begriff “Philosophie” finde ich irreführend. Denn Dir geht es ja gerade nicht um ein “Darüber-Nachdenken”, sondern um eine zutiefst subjektiv erlebte innere Wahrheit. Und genau darum geht es in den mystischen Traditionen. Leider begehen dann 99,9% der Mystiker nach dieser Erfahrung den Fehler, diese in die äußere Welt zu spiegeln. Und dann entsteht Aberglaube.

    2) Leider muss ich Deiner Hoffnung, mit Deiner “Philosophie” die Welt zu revolutionieren, einen kleinen Dämpfer verpassen. 😉 Die Regale in Buchhandlungen sind voll mit Büchern, die genau das ausdrücken, was du zu vermitteln hoffst. Die meisten davon triefen jedoch von naivem Mystizismus und Aberglauben. Ich möchte mal 2 Personen beispielhaft erwähnen, deren Denken in genau Deine Richtung geht, die Millionen Bücher verkaufen, vor 10tausenden von Menschen Vortäge gehalten haben (und bei deren Büchern ich nicht sofort Brechreiz verspürt habe): Jiddu Krishnamurti und Eckhart Tolle. Ersteren las ich vor 25 Jahren in meiner Teenagerzeit, letzteren habe ich aus Neugierde vor einigen Jahren gelesen. Ich fände es sehr spannend, was Du zu deren Texten sagst.

    3) Ich glaube nicht (leider), dass Du mit Deinen Texten Menschen nachhaltig veränderst. Der Schalter im Kopf wird nicht dauerhaft umgelegt. Die Schaltkreise sind viel zu stabil. Die Grundillusion ist ja, man habe im Kopf eine kleine, zentrale Steuereinheit (das Selbst, den Homunkulus). Diese Illusion beginnt beim 2-3 jährigen Kind und ist beim Erwachsenen dann fest im Gehirn verdrahtet. Es gibt nun Menschen, die spontan in den Zustand der inneren Anstrengungslosigkeit rutschen (so wie Du). Das innere Geplapper hört dann für einen Moment auf und der Homunkulus fällt in einen kurzen Schlaf. Einige Augenblicke kehrt dann das normale Altagsbewusstsein zurück (der Homunkulus erwacht wieder). Wahrscheinlich gibt es sogar relativ viele Menschen, die sowas erleben. Aber nur bei einem Bruchteil führt dies zu einer dauerhaften Veränderung. Viele werden mangels eines geeigneten konzeptuellen Rahmens wahrscheinlich sogar in eine völlig falsche Richtung gezogen und landen dann bei einem schmierigen Guru oder sonstwo. Ein anderer Weg, den Homunkulus zu schwächen/beseitigen ist eine formale Praxis (Meditation), deren Ziel es ist, die Illusion eines Selbst (im Sinne der zentralen Steuereinheit) zum Einsturz zu bringen. Zum einen birgt aber auch dieser Weg viele Fallstricke, zum anderen wird man aber auch nur wenige Menschen von diesem Weg überzeugen können mit dem Versprechen:” Hey, Dein Selbst ist nichts weiter als eine Illusion. Ich zeige Dir eine Methode, wie Du diese Illusion zerstören kannst.” Die Menschen lieben ihr Selbst. Sie können sich ein Leben ohne dieses Selbst überhaupt nicht als erstrebenswert vorstellen.

    4) Ich möchte noch eine Buchempfehlung geben, für Menschen, die sich eingehender mit dem Thema auseinandersetzen möchten (neben Deinen Büchern natürlich 😉 ) : “the Science of Enlightenment” von Shinzen Young.

    In den letzten 25 Jahren habe ich wirklich viele Bücher zu diesem Thema gelesen. Das mit Abstand klarste, systematischste und kohärenteste ist ebendieses. Zudem ist es 99,9% bullshitfree. Eine Erkenntnis, die ich zwar schon vorher hatte, die dieses Buch aber nochmal schön darlegt ist folgende: Viele sehen in Religion ja in erster Linie ein Herrschaftsinstrument, erschaffen, um die Menschen besser kontrollieren zu können. Ich denke aber, dass der Kern oder der Ursprung der meisten Religionen genau das ist, von dem Du in diesem Podcast oder Deinen Büchern erzählst. Wenn man sich die Gotteserfahrungen vieler christlicher Mystiker anschaut (z.B. Johannes vom Kreuz), dann sind dies eben keine naiven Geschichten von persönlichen Begegnungen mit einem alten Mann mit Bart. Vielmehr sind dies eher erschreckend drastische Schilderungen vom Sterben des Selbst. Von einem inneren Reinigungsprozess, der dadurch entsteht, dass die Liebe Gottes in einen hineinströmt und das eigene Selbst verdrängt und vernichtet. Übrig bleibt der vom Ich gereinigte, mit Gott vereinte Mensch. Die Beschreibung dieses Prozesses ist natürlich sehr stark geprägt vom kulturellen Background. Diese universell menschlichen Erfahrungen werden dann in der Regel kulturell überformt und das führt dann zu Aberglauben, naivem Mystizismus und folkloristischen Religionen mit irgendwelchen Glaubenssätzen und Handlungsanweisungen. Damit ist dann das perfekte Unterdrückungsinstrument entstanden.

    So, das waren erstmal meine ersten Gedanken zu dem Podcast. Wurde dann doch etwas länger 🙂

    1. Vielen Dank für Deinen Kommentar, lieber Flo und schön, dass Du uns bis zum Schluss treu geblieben bist!

      Ein Satz vorweg: Die Gehirne lieben ihr sogenanntes Selbst nicht. Sie hassen es! Deswegen gehen so viele Leute Risiken ein, um ihm zumindest zeitweise zu entgehen (Risikosportarten, dubiose Substanzen vom illegalen Strassenhändler)

      Zu 1: Du liegst völlig richtig – ich habe mich nie mit Spiritualismus/Mystik und dergleichen beschäftigt, weil ich es als kompletten Bullshit betrachte. Ich komme also »von der anderen Seite«: Zuerst waren da eigene Erfahrung, die mir widerfahren sind, dann die Suche nach einer naturwissenschaftlichen Erklärung.

      Philosophie ist der Wortbedeutung nach »Liebe zur Weisheit«. Die meisten Menschen in der Vergangenheit und Gegenwart haben unbewusst angenommen, dass es zur Suche nach Weisheit gehört, dass man sich dazu selbst im neuronalen Inner-Speech-Network Fragen stellen muss. Insofern ist die Feststellung, dass die dadurch entstehende kognitive Endlosschleife ein Irrweg ist, tatsächlich ein Beitrag zur Philosophie, Psychologie und den Neurowissenschaften. Da ich es als essayistisches Buch präsentiere, habe ich es mit einer gewissen Selbstironie eine »Philosophie des Nicht-Denkens« genannt. Da mein Beitrag zur Geistesgeschichte radikal gegen den Strich derselben und den traditionellen Vorstellungenen der Philosophie geht, kann man es als Versuch betrachten, die Welt mit der Brechstange der Anti-Philosophie zu verändern. Ist das dann Philosophie? Vielleicht im Sinne von Nietzsches “wir Psychologen”. Ein philosophischer Vorreiter war Max Stirner. Logisch hat das Problem der Selbstbefragung Raymond M. Smullyan aufgegriffen, in der Kurzgeschichte »An Epistemological Nightmare«. Smullyan ist eh gut!

      Zu 2: Du schreibst, Regale der Buchhandlungen seien voll von Büchern, die das selbe ausdrücken. Ich würde sagen: Auszudrücken versuchen. So wie ich hat das noch niemand beschrieben. Ich fühle mich da etwas »belittled«. Weder bei Jiddu Krishnamurty noch Tolle steht AFAIK irgendwo der essentielle Hinweis, dass es aus erkenntnistechnischer Sicht völliger Bullshit ist, sich selbst Fragen zu stellen. Zeige mir bitte eines, nur ein einziges solches Buch, dass das sich-selber-fragen in Frage stellt! Bitte nicht nur den Titel nennen, sondern eine Textstelle, ein Zitat, wo das konkret steht. Viel interessanter als die beiden von Dir genannten ist U.G. Krishnamurty (nicht zu verwechseln mit Jiddu), aber auch da findet sich das nicht. Übrigends, der Taoismus wusste auch nichts davon, hat aber immerhin schon Anstrengungslosigkeit als innere Einstellung empfohlen. Ganz arrogant gesagt: Vom Taoismus zu meinen beiden letzen Büchern ist es ein weiter Weg – es liegen 2500 Jahre dazwischen und eine Menge Informationen, aus denen ich schöpfen konnte. Was meine Hoffnungen angeht – die Parole lautet: Niemals aufgeben!

      Zu 3: Meine Arbeit hebt nicht darauf ab, dass Menschen irgendetwas glauben sollen. Der Homunkulus »schläft« auch nicht. Es ist keine selbständige Instanz – »er« existiert nur als Illusion eines Gehirns, das dafür trainiert wurde, sich diese Illusion zu machen und sich ihr hinzugeben, wie Du richtig bemerkt hast. Natürlich ist das Herrschaft, die Herrschaft über die Köpfe! Die Problematik ist, dass die innere Sprache bei den meisten Menschen nahezu völlig unbewusst und rasend schnell abläuft. So eine unangenehme und sinnlose Gewohnheit kann man nicht so leicht ablegen. Es ist noch schwieriger als Nicht-Raucher_in zu werden.

      Was die formale Praxis »Meditation« angeht: Es gibt keinen anderen Weg zur inneren Anstrengungslosigkeit als – genau – innerlich gar nichts zu tun. Es gibt keine passenden »Methoden« und es kann sie auch niemals geben. Ich wünsche allen viel Spass weiterhin bei der Suche & viel Erfolg bei diesen sinnlosen Versuchen! Deswegen sind z.B. Tolle et al Scharlatane, weil sie den Leuten Methoden, d.h. Übungen und Rezepte geben. Das alles sind innere Anstrengungen, zu denen man das innere Selbst beauftragen möchte, dass man doch eigentlich los werden will! Kurz: Es kann keine innere Anstrengung geben, die zur Anstrengungslosigkeit führt. Jede Idee in dieser Richtung appeliert zum nahezu unendlichen Male an die Homunkulus-Idee und ist daher eben völlig lächerlich. Erkenntnisse gewinnt man, wenn das Gehirn schaltet – und nicht wenn man sich das unter der Anleitung eines anderen selber suggeriert. Man kann das Gehirn aber nicht schalten machen. Wer wäre dazu in der Lage? Der Homukulus?! Man kann sich nicht selbst helfen, indem man innerlich eingreift. Besser geht man in die Natur oder ins Theater oder unternimmt sonst etwas in der äußeren, der realen Welt! Wenn man es durch »Methoden der Meditation« versucht ist und bleibt es nur wieder der Homunkulus am Anfang, in der Mitte und am Ende.

      Zu 4: Das Buch kenne ich nicht.

      In Deinem letzten Absatz verklärst Du die Sache IMHO wie Albert Hoffmann und Millionen andere. »Liebe Gottes hineinströmt« Käse! Das Gehirn kommt innerlich zur Ruhe. Da strömt nichts rein. Vielleicht willst Du es auch wie das Ehepaar Blake in der »Hochzeit von Himmel und Hölle« sagen: Dichter und Erzählerinnen benutzen Metaphern (»der Bach murmelt«) und naive Hirne mit Vakuumtendenzen sehen darin den Beleg für die Existenz von Gespenstern, vulgo Geist.

      Geistesglaube ist Geisterglaube!

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